AG Biochemische Ökologie und Molekulare Evolution

Leitung

Prof. Dr. rer. nat. Dietrich Ober

Direktor des Botanischen Institutes und des Botanischen Gartens

Am Botanischen Garten 1-9, R. 0174
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Telefax: +49 431 880-4500
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Details

  • Leiter des Botanischen Gartens
  • Leiter der Arbeitsgruppe Biochemische Ökologie und Molekulare Evolution
  • Interview Ober

Interview Ober

Es geht um Pflanzen, um Verteidigungsstrategien, die Evolution und das Wettrüsten in der Natur: Seit 2006 forscht Prof. Dr. Dietrich Ober mit seinem Team an der Universität Kiel. Mit einer Besonderheit: Wohin Ihre Forschung sie noch führen wird, das ist bislang völlig offen. Sie betreiben Grundlagenforschung, die unerwartete Erkenntnisse hervorbringen kann. Ein Interview.

Jeder kennt das: Pflanzen gelten im Vergleich zu Tieren als eher langweilig...

Ober: Pflanzen gucken nicht niedlich und zeigen kein Verhalten, das stimmt. Aber es ist beeindruckend, was da entsteht: Pflanzen haben kein Gehirn, aber sie leiten Reize weiter. Sie nehmen Bestäuber gefangen, zeigen eine gigantische Vielfalt, entwickeln immer neue Mechanismen. Und diese Vielfalt haben wir direkt vor unserer Haustür.

Ihre Forschung beschäftigt sich vor allem mit der Evolution. Warum?

Ober: Wir untersuchen, woher Pflanzen ihre Fähigkeiten haben – und warum. Heutzutage erlaubt die Molekularbiologie, die Entwicklung komplexer Mechanismen tatsächlich nachzuvollziehen. Das macht es spannend. Als ich damals anfing, hieß es noch „Herr Ober ist doch viel zu jung für Evolution!“. Damals sinnierten noch ausschließlich alte Professoren über irgendwelche Verwandtschaftsbeziehungen.

Welchen Sinn hat Ihre Forschung?

Ober: Wir betreiben Grundlagenforschung. Das heißt, wir untersuchen neue Aspekte und Mechanismen sowie den molekularen Ursprung der Vielfalt. Das Ergebnis kann man kaum abschätzen. Aber das System besser zu verstehen bietet einen Ansatz für neue Erkenntnisse. Daraus kann sich ein Nutzen ergeben.

Zum Beispiel?

Ober: Viele Pflanzen produzieren Stoffe, die wir als Phytopharmaka, also als Arznei, einsetzen können. Häufig produzieren sie aber gleichzeitig Gifte, wie zum Beispiel Alkaloide, die auch Menschen schaden können. Gemeinsam mit einem Pharmaunternehmen suchen wir nach Möglichkeiten, diese Alkaloide zu umgehen. Außerdem erweitern wir Labormethoden, erproben neue und verändern sie.

Wie gut klappt das?

Ober: Man braucht Frustrationstoleranz. Mal klappt ein Experiment überhaupt nicht. Dann irgendwann schon: Das ist ein tolles Erlebnis. Dabei gibt es fast zu viele spannende Fragen. Häufig ist auch das Scheitern wichtig: Warum hat ein Experiment denn nicht geklappt wie geplant? Liegt es vielleicht an den Eigenschaften der Pflanze? Wir betreten da Neuland.

In Ihrer Arbeitsgruppe arbeiten auch Bachelor-Studenten. Wie können die mithalten?

Ober: Bachelorstudenten arbeiten bei uns zum ersten Mal wissenschaftlich. Die wissen noch gar nicht, wie das funktioniert. Deswegen haben wir regelmäßige Besprechungen. In der Regel stammen die Projekte für Bachelorarbeiten auch aus der Gruppe. Die Studenten erhalten dabei viel Feedback. Als Einzelkämpfer könnte man auch gar nicht forschen.

Was bieten Sie Studenten?

Ober: Im Labor haben sie die Chance, sich für ein Thema zu begeistern und etwas Neues zu entdecken. Sie sammeln erste praktische Arbeitserfahrungen. Sie haben die Chance, sich mit einem Thema vertraut zu machen und ihren eigenen Weg zu gehen. Das ist ein Privileg. Sie können selber entscheiden, welche Methoden sinnvoll einzusetzen sind.

Und wie kamen Sie zur Biologie?

Ober: Ich habe Biochemie und Botanik studiert, dazu Pharmazie. Das passt, denn viele Arzneistoffe stammen aus dem Pflanzenreich oder haben Naturstoffe als Vorlage. Aber eigentlich wollte ich nie Biologe werden. Ich dachte mir: Ich wechsle, wenn ich etwas Besseres finde. Nur: Das habe ich nie gefunden.

Warum haben Sie nichts Besseres gefunden?

Ober: Die Biologie ist die Wissenschaft des Lebens, das Zusammenspiel, die Ökologie bis hin zur molekularen Ebene. Die Biologie hat sich außerdem massiv entwickelt. Die Verknüpfung der Wissenschaften ist einzigartig, mit Chemie, mit Physik und Informatik. Langweilen können Sie sich nie.

Woher haben Sie diese Faszination?

Ober: Ich hatte mit Prof. Dr. Thomas Hartmann einen hervorragenden Mentor. Seine Begeisterungsfähigkeit für die Wissenschaft ist bemerkenswert. Seine Förderung will ich weitergeben. Wir stehen auch heute noch in Kontakt und besprechen meine Forschung. Denn in gewisser Weise habe ich ihn vom Thema her beerbt.

Was ist Ihre Vision?

Ober: Wir werden den Biosyntheseweg der von uns untersuchten Alkaloide und dessen Evolution verstehen.

Wir danken Herrn BSc. Morton Planer für das Interview und den Text.