AG Biochemische Ökologie und Molekulare Evolution

Erfahrungsberichte

Bericht Bachelor 1

Wilhelmine BachCTTTATGTTTAATTAATTGAG. „Das ist mein Ergebnis“, sagt Wilhelmine Bach – und lacht. Hinter ihr liegen sechs Wochen Laborarbeit, die zwar Nerven gekostet, sie aber noch lange nicht um den Verstand gebracht haben. Tatsächlich hat die 22-Jährige einen wichtigen Beitrag zur Forschung geleistet und mit molekularbiologischen Methoden Gene von fünf Pflanzen analysiert. Und sich damit selbst ziemlich überrascht.

„Anfangs dachte ich: Das interessiert doch keinen“, sprudelt es aus der 1-Fach-Biologin hervor – und auch sie selbst begegnete ihrem Thema zunächst mit Skepsis. Schließlich gesteht sie, dass sie Genetik schon in der Schule „überhaupt nicht mochte“. Und dass sie eigentlich auch eher wegen ihres Interesses an der Meeresbiologie an der Uni Kiel studiert. Dennoch wollte sie in der Botanik schreiben, denn „auch das Gebiet finde ich superspannend. Ich wollte mal sehen, was man da so machen kann“, sagt die Studentin. Das – anfangs – ungeliebte Thema habe sich dann „erst nach und nach herauskristallisiert“.

Bach unterstützt das Projekt von Dr. Elisabeth Kaltenegger, in dem die Evolution von Genen eines sekundären Stoffwechselweges der Windengewächse (Convolvulaceae) erforscht wird. Nur langsam wurde Bach mit ihrem Thema warm. Doch als ein anderer Doktorand Wilhelmine Bachs Ergebnisse für seine Arbeit benötigte, waren alle Zweifel wie weggewischt. „Das war ein Schlüsselmoment für mich“, gesteht die angehende Biologin, „wenn du weißt: Deine Arbeit wird gebraucht, das ist toll.“ Ohnehin habe sie sich regelrecht in ihre Arbeit „hineingefressen“, lernte, sich für ihr Thema und dessen theoretischen Hintergrund zu begeistern.

Auch das gute Arbeitsklima habe sie dabei motiviert. Wegen ihres Faibles für die Meeresbiologie gab ihr Bachelorvater, Professor Dr. Dietrich Ober, ihr kurzerhand auch eine Wasserpflanze, den „falschen Wasserfreund“ als fünfte Pflanze zur Analyse. Viel Unterschied habe das zwar nicht gemacht – „am Ende püriert man die Pflanzen ja doch nur“ – aber die Geste sei „wunderbar“ gewesen. „Ich habe es nicht bereut, hier meine Arbeit zu schreiben“, sagt Bach.

Nicht nur hat sie zahlreiche Methoden gelernt: Bach ist die erste in der Arbeitsgruppe, die eine sogenannte FPNI-PCR – eine spezielle Reaktion, in der DNA hergestellt wird – erprobt hat. Und sie der Arbeitsgruppe vorstellte – „auch dem Prof. Das war schon ziemlich cool.“ Doch für Bach war die Bachelorarbeit auch ein wichtiger Schritt auf dem Weg ins Berufsleben. Sie habe Soft Skills gelernt, sagt sie. Gelernt, für sich einzustehen, zuzugeben, wenn sie etwas noch nicht verstanden habe. Und dass es völlig in Ordnung ist, mal etwas falsch zu machen. Dabei zähle in der Arbeitsgruppe nicht nur die geschriebene Bachelorarbeit, sondern auch die praktische Arbeit. Die größte Erkenntnis für Wilhelmine Bach aber wird ihr Leben nachhaltig ändern. „Ich habe auch gelernt, dass ich später nicht in die Forschung gehen möchte. Den Drive, den andere haben, ihre Begeisterung für Ergebnisse eines Versuchs, sogar schlaflose Nächte deswegen, das habe ich noch nicht“, sagt sie. Am Biologie-Studium wird sie dennoch festhalten, denn beim Schreiben ihrer Arbeit hat sie etwas anderes festgestellt: „Ich könnte mir gut vorstellen, in Richtung Wissenschafts-Journalismus zu gehen. Die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit sein. Es ist toll, das herauszufinden."

Wir danken Herrn BSc. Morton Planer für das Interview und den Text (2016).

Bericht Bachelor 2

Portraitfoto Alistair McMurtryHartnäckig zu sein, das zahlt sich aus. Das hat Alistair McMurtry in seiner Bachelorarbeit mit Sicherheit gelernt. Zwei Wochen lang führte er vergeblich Versuche durch: Irgendetwas klappte einfach nicht. Das kann frustrieren. Doch Alistair McMurtry sieht es – inzwischen – gelassen. Der 23-Jährige steckt mitten in seiner Bachelorarbeit, die er in der AG Biochemische Ökologie und Molekulare Evolution schreibt. Sein Job: Er ist auf der Suche nach einer ganz bestimmten Mutation, die es im Sekundärstoffwechsel der Raublattgewächse (Boraginaceae) geben soll. Das ist mühsame Detektivarbeit – und Genetik, wie sie sonst nur im Buche steht.

Der Anfang sei hart gewesen, sagt der Wahl-Kieler. „Ich habe RNA isoliert und versucht, daraus DNA herzustellen“, berichtet er. Der Prozess sei gar nicht mal so einfach, zumal das Material bei -80°C zerkleinert werden muss. „Da darf man nichts woanders liegengelassen haben. Sonst taut in der Zwischenzeit alles auf“ – und mehr als zwei Stunden Arbeit sind vernichtet. Als der Versuch partout nicht klappen wollte, machte sich der Student gemeinsam mit Mitarbeitern der Arbeitsgruppe auf Fehlersuche. „Die enge Betreuung ist super. Man kann auch jederzeit den Prof fragen, wenn man nicht weiterkommt“, sagt McMurtry. Dennoch ist die Fehlersuche langwierig. Jeder Schritt wird überprüft, optimiert, verändert. Einer zur Zeit. Am Ende findet McMurtry den Fehler. „Es lag an einem Gel, das ich nicht frisch angesetzt hatte“, sagt er. Seit er es nicht mehr im Kühlschrank zwischenlagert, klappt alles.

Sechs Wochen lang macht sich McMurtry täglich auf die Suche nach der Mutation. Bis zu sechs Stunden steht er in dem verwinkelten Labor inmitten von Pflanzenextrakten und wissenschaftlichem Arbeitsgerät, setzt Puffer an, zentrifugiert, pipettiert, prozessiert. Diese Praxisnähe und die vielfältigen Methoden, die er im zweiwöchigen Vorbereitungsmodul kennenlernte und bei der Arbeit perfektionierte, sind ausschlaggebend gewesen für die Wahl der Arbeitsgruppe. „Ich wollte eine Bachelorarbeit schreiben, die mich weiterbringt. Hier lerne ich Labormethoden, die ich im Masterstudium und auch später im  Berufsleben brauchen werde. Ich wusste einfach: Hier werde ich eine Menge lernen“, sagt der angehende Biologe. In seinem bisherigen Studium habe er viele  Methoden nur ein Mal angewendet. Das heiße aber noch lange nicht, dass man sie dann auch beherrsche.

McMurtry – seine Laborarbeit nähert sich dem Ende – beherrscht inzwischen nicht nur etliche Methoden sicher. Er leistet auch einen Beitrag zur aktuellen Forschung. „Ich füge ein Puzzlestück zum Gesamtbild hinzu. Das motiviert. Meine Arbeit wird gebraucht. Das hilft, vor allem, wenn ein Versuch wieder mal gescheitert ist.“ Am Ende klappt’s dann doch. Sein Ergebnis ist valide. Wenn es auch ein völlig anderes, als das ursprünglich erhoffte, ist. Denn mit seiner Bachelorarbeit hat McMurtry aufgedeckt: „Die angenommene Mutation scheint im untersuchten Gen gar nicht vorzuliegen. Irgendwo anders muss also ein Enzym defekt sein.“ Denn Fakt ist: Das Produkt, das in diesem Schritt des Sekundärstoffwechsels gebildet werden sollte, gibt es in der Pflanze nicht. Damit muss ein Teil in der Herstellungskette defekt sein. Herauszufinden, wo sich dieser Defekt befindet – das wird die Aufgabe eines anderen Studenten sein. McMurtrys Arbeit ist beendet; mit der schriftlichen Ausarbeitung über seinen Beleg, dass es die veremintliche Mutation micht gibt, wird er seinen Bachelor erhalten.

Wir danken Herrn BSc. Morton Planer für das Interview und den Text (2016).