AG Biochemische Ökologie und Molekulare Evolution

Zwei Studenten und eine Tasse KaffeeDass sie auf ihrem Gebiet eine echte Expertin geworden ist, das stellt Miriam Gutt schnell unter Beweis: Spricht sie von den Gen-Analysen, die sie für ihre Masterarbeit durchführt, jagt ein Fachbegriff  gnadenlos den nächsten. Gutt, gelernte Chemisch-Technische-Assistentin und nun Masterstudentin der Biologie, sucht begeistert nach dem Protein, das für die Entgiftung einiger Pflanzentoxine verantwortlich ist. Nach langer Suche scheint sie endlich vor dem Durchbruch zu stehen. Ihre Arbeit liegt interdisziplinär zwischen den Themen der Pflanzenverteidigung und Insektenanpassung sowie der molekularen Evolution.

Der Start war mehr als holprig, meint Gutt. „Ich habe am Anfang nichts erreicht. Es klappte einfach nicht“, sagt sie, und verweist immer wieder auf ihr inzwischen prallgefülltes Notizbuch. Seitenweise finden sich hier Versuchsprotokolle, Gen-Analysen und immer neue Ansätze. FMO3, qRT-PCR, PAs, sekündlich fallen die Fachbegriffe, wenn die Studentin ihre zahlreichen Ansätze Revue passieren lässt. Und endlich: „Ich habe die Aktivität nachweisen können“, sagt Gutt sichtlich stolz.

Aber wofür eigentlich? Gutt versucht, eine ganz besondere Eigenschaft des Monarchfalters zu erklären: Die Schmetterlinge können Pflanzen, die giftige, sogenannte Pyrrolizidinalkaloide (PAs) enthalten, fressen. Das Gift wandeln sie in eine ungiftige Form um, und können es zum eigenen Vorteil speichern. Die Schmetterlinge sind nun selbst giftig für ihre Feinde. Nur wie – das ist eine bislang ungeklärte Frage.  Diese zu beantworten, das ist der Wunsch der Studentin. „Wenn man das erste Mal etwas herausgefunden hat, was vor einem kein anderer wusste – dafür brennt man“, schwärmt sie.

Womöglich wird sie die bald beantworten können. „Ohne Kontakt mit anderen Fachleuten hätte das nicht funktioniert“, sagt sie. Dafür sei das Thema zu komplex. Aber gerade diese Komplexität von verschachtelten Zusammenhängen der Co-Evolution fasziniert sie.

Die Co-Evolution, das beschreibt das „Wettrüsten“ der Pflanzen und der Insekten, die sich z. B. an Gifte anpassen müssen, um sie zu fressen. „Das ist ziemlich spannend“, findet Gutt. Ohnehin seien Insekten faszinierend, da durch die schnelle Reproduktion evolutive Einflüsse leichter zu beobachten sind. Ohnehin greifen an dieser Stelle viele biologische Teildisziplinen ineinander. „Manche Vögel haben sich an die giftigen Schmetterlinge angepasst und entfernen diesen die Flügel, in denen Pflanzengift eingelagert ist, bevor sie die Schmetterlinge fressen“, erzählt Gutt. Ein Ökologie-Beispiel, wie es im Lehrbuch stehen könnte. Doch der Studentin reicht das nicht. „Nur Ökologie wäre mir zu einfach, ich möchte jede Facette der Co-Evolution verstehen.“

Nach ihrer Masterarbeit möchte sie auch eine Doktorarbeit schreiben – am besten natürlich in der AG. Zumal sie hier auch schon ihren Bachelor schrieb. Und noch etwas verbindet sie mit der AG: 2016 reiste sie nach Amerika, um die AG vor 8000 Wissenschaftlern beim International Congress of Entomology – einer Zusammenkunft von Insektenforschern – zu vertreten. Da hatte sie 15 Minuten, um ihre Forschungen und die AG zu präsentieren. Für die angehende Biologin ein echtes Abenteuer auf ihrem Weg in die Wissenschaft.