AG Biochemische Ökologie und Molekulare Evolution

Portraitfoto Alistair McMurtryHartnäckig zu sein, das zahlt sich aus. Das hat Alistair McMurtry in seiner Bachelorarbeit mit Sicherheit gelernt. Zwei Wochen lang führte er vergeblich Versuche durch: Irgendetwas klappte einfach nicht. Das kann frustrieren. Doch Alistair McMurtry sieht es – inzwischen – gelassen. Der 23-Jährige steckt mitten in seiner Bachelorarbeit, die er in der AG Biochemische Ökologie und Molekulare Evolution schreibt. Sein Job: Er ist auf der Suche nach einer ganz bestimmten Mutation, die es im Sekundärstoffwechsel der Raublattgewächse (Boraginaceae) geben soll. Das ist mühsame Detektivarbeit – und Genetik, wie sie sonst nur im Buche steht.

Der Anfang sei hart gewesen, sagt der Wahl-Kieler. „Ich habe RNA isoliert und versucht, daraus DNA herzustellen“, berichtet er. Der Prozess sei gar nicht mal so einfach, zumal das Material bei -80°C zerkleinert werden muss. „Da darf man nichts woanders liegengelassen haben. Sonst taut in der Zwischenzeit alles auf“ – und mehr als zwei Stunden Arbeit sind vernichtet. Als der Versuch partout nicht klappen wollte, machte sich der Student gemeinsam mit Mitarbeitern der Arbeitsgruppe auf Fehlersuche. „Die enge Betreuung ist super. Man kann auch jederzeit den Prof fragen, wenn man nicht weiterkommt“, sagt McMurtry. Dennoch ist die Fehlersuche langwierig. Jeder Schritt wird überprüft, optimiert, verändert. Einer zur Zeit. Am Ende findet McMurtry den Fehler. „Es lag an einem Gel, das ich nicht frisch angesetzt hatte“, sagt er. Seit er es nicht mehr im Kühlschrank zwischenlagert, klappt alles.

Sechs Wochen lang macht sich McMurtry täglich auf die Suche nach der Mutation. Bis zu sechs Stunden steht er in dem verwinkelten Labor inmitten von Pflanzenextrakten und wissenschaftlichem Arbeitsgerät, setzt Puffer an, zentrifugiert, pipettiert, prozessiert. Diese Praxisnähe und die vielfältigen Methoden, die er im zweiwöchigen Vorbereitungsmodul kennenlernte und bei der Arbeit perfektionierte, sind ausschlaggebend gewesen für die Wahl der Arbeitsgruppe. „Ich wollte eine Bachelorarbeit schreiben, die mich weiterbringt. Hier lerne ich Labormethoden, die ich im Masterstudium und auch später im  Berufsleben brauchen werde. Ich wusste einfach: Hier werde ich eine Menge lernen“, sagt der angehende Biologe. In seinem bisherigen Studium habe er viele  Methoden nur ein Mal angewendet. Das heiße aber noch lange nicht, dass man sie dann auch beherrsche.

McMurtry – seine Laborarbeit nähert sich dem Ende – beherrscht inzwischen nicht nur etliche Methoden sicher. Er leistet auch einen Beitrag zur aktuellen Forschung. „Ich füge ein Puzzlestück zum Gesamtbild hinzu. Das motiviert. Meine Arbeit wird gebraucht. Das hilft, vor allem, wenn ein Versuch wieder mal gescheitert ist.“ Am Ende klappt’s dann doch. Sein Ergebnis ist valide. Wenn es auch ein völlig anderes, als das ursprünglich erhoffte, ist. Denn mit seiner Bachelorarbeit hat McMurtry aufgedeckt: „Die angenommene Mutation scheint im untersuchten Gen gar nicht vorzuliegen. Irgendwo anders muss also ein Enzym defekt sein.“ Denn Fakt ist: Das Produkt, das in diesem Schritt des Sekundärstoffwechsels gebildet werden sollte, gibt es in der Pflanze nicht. Damit muss ein Teil in der Herstellungskette defekt sein. Herauszufinden, wo sich dieser Defekt befindet – das wird die Aufgabe eines anderen Studenten sein. McMurtrys Arbeit ist beendet; mit der schriftlichen Ausarbeitung über seinen Beleg, dass es die veremintliche Mutation micht gibt, wird er seinen Bachelor erhalten.

Wir danken Herrn BSc. Morton Planer für das Interview und den Text (2016).